JC015 – Podcaster

Gast: Tim Pritlove

Tim Pritlove produziert seit 2005 Podcasts und hat dies 2008 zu seinem Hauptberuf gemacht.

Unter dem Namen Metaebene Personal Media produziert Tim Pritlove eine Reihe von Radiosendungen, welche als Podcast im Internet zum Herunterladen angeboten werden.

Themen:

Zusammengetragen von: @Quimoniz

00:00:00 Tims Schulzeit #chapter
Tim war kein besonders herausragender Schüler.
Tim war auf einer Waldorfschule, das war eine Entscheidung seiner Mutter, der diese einfacher charmanter war.
Tim wuchs in den 70er Jahren auf in sozial schwierigeren Verhältnissen, in der Schule wurde jedoch nie Anstoss daran genommen.
78, 79 sparte Tim Geld dafür einen Schachcomputer zu kaufen.
Mit ca. 16 Jahren kaufte sich Tim um 1982 seinen ersten Computer
10 PRINT hello, 20 GOTO 20 #spoiler
Programmieren <http://de.wikipedia.org/wiki/Programmierung> #wikilink
BASIC <http://de.wikipedia.org/wiki/BASIC>#wikilink
C64 <http://de.wikipedia.org/wiki/Commodore_64> #wikilink
Er hing dann in Kaufhäusern an den C64 rum mit anderen Jugendlichen
Assembler, 6502 “wenn man Assembler programmiert, dann versteht man den Computer” #zitat
– Assembler <http://de.wikipedia.org/wiki/Assemblersprache> #wikilink
C <http://de.wikipedia.org/wiki/C_%28Programmiersprache%29> #wikilik

00:09:00 Nach dem Abitur #chapter
Er wurde von seinen Freunden überredet, Informatik zu studieren, weil das mit Computern ist, aber da überkam ihn das Schaudern, das hat für ihn nicht gepasst, nach 3 Monaten brach er es ab.
Hackerrunde Hannover
Kleinanzeigenerfassungssystem
Eigene, kleine Projekte
Systemadministration
Die Hannoversche Hackerrunde “Die Dienstagsrunde”
Karl Koch <http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Koch_%28Hacker%29> #wikilink
Usenet <http://de.wikipedia.org/wiki/Usenet> #wikilink
Xenix <http://de.wikipedia.org/wiki/Xenix> #wikilink
ChatMail
Tim fing schon früh mit Unix an in ’87, ’88
“send-screen-Welt” IBM Main Frame
Tim denkt nicht nach über die Zukunft, “die passiert eh”
DTP <http://en.wikipedia.org/wiki/Distributed_transaction_processing> #wikilink
Es waren sehr viele überfordert mit ihrer Technik, Tim fixte diese, und kriegte dafür sein Geld.
Tim ist nicht indoktriniert worden, dass er eine Lehre ergreifen hätte sollen.
Wenn man sich mit dem beschäftigt, was gerade da ist, und dass einem Spass macht, dann ist man immer motiviert.
Er ist dann über Freunde um ’90 an das Internet gekommen.
RFCs <http://www.rfc-editor.org/>
Er hat ein Jahr lang Siemensprogrammierern erklärt wie Unix funktioniert.
Hacker, Geek (ganz besonders gut programmmieren können), Nerd (soziale Komponente) sind nur verschiedene Blickwinkel auf Menschen die die Welt kritisch hinterfragen, und wollen wissen, wie es wirklich funktioniert.
Begriff Nerd <http://de.wikipedia.org/wiki/Nerd> #wikilink
Illuminaten <http://de.wikipedia.org/wiki/Illuminatenorden> #wikilink
Verschwörungstheorie <http://de.wikipedia.org/wiki/Verschw%C3%B6rungstheorie> #wikilink
Discordia <http://de.wikipedia.org/wiki/Eris_%28Mythologie%29> #wikilink
Film über Karl Koch, 23 – Nichts ist so, wie es scheint <http://de.wikipedia.org/wiki/23_%E2%80%93_Nichts_ist_so_wie_es_scheint> #wikilink
Karl war ein sehr ruhiger Typ, mit langglidrigen Händen, und hatte eine besondere Aura
Nerds sind nicht bessere Menschen.
1992 hatte Tim schon einen Apple Macintosh, den er sich nach der Arbeit in einer Softwareentwicklerfirma für Macs in Hannover kaufte
Bei Opel schrieb er Technische Dokumentation
Grafikdesign mit Framemaker <http://de.wikipedia.org/wiki/FrameMaker> #wikilink

00:30:00 Beate Uhse #chapter
1992 Beate Uhse finanzierte Entwicklung der Die Villa, weil die 0190 Nummern aufkamen
Dann hatte er auch den Kontakt mit dem Hamburger CCC
CeBIT war damals, anfang der 90er “The Future”, ein “MUST- Termin”, dadurch knüpfte er auch Deutschlandweit Kontakte
Das Ziel der Entwicklung für Beate Uhse war eine Virtuelle Reperbahn.
“Cyberspace” <http://de.wikipedia.org/wiki/Cyberspace> #wikilink
Tim erkannte damals, dass er bock hatte auf Quatschen Deluxe.
Dank der Finanzierung für ein Jahr konnten sie das System für 120 Leute gleicheitig aufsetzen.
Pager <http://de.wikipedia.org/wiki/Funkmeldeempf%C3%A4nger> #wikilink
Villa Kunterbunt, “Die Villa”.
Sie wurden überrascht vom viralen Effekt.
Bis 2001 lief die Villa, Tim zog es aber schon nach anderthalb Jahren weiter.
Wau Holland <http://de.wikipedia.org/wiki/Wau_Holland> #wikilink
CCC Hamburg <http://www.hamburg.ccc.de/>
Der Hamburger CCC war ihm nicht modern genug.
Er versank dann erstmal in Techno, bis er kein Geld mehr hatte, und ging dann nach Berlin, weil er ein Jobangebot kriegte.

00:42:00 Umzug nach Berlin #chapter
“Angst ist generell kein guter Berater” #zitat
Tim steckt alles in seine Arbeit. #spoiler
Tim bewundert es wenn jemand bei einem grossen Unternehmen wie Siemens arbeiten kann, ihm selber wäre es aber ein Alptraum.
“Social-Media-Berater”, “Webprogrammierer”, “Search-Engine-Optimizer” #spoiler
“Beruf ist halt Schall-und-Rauch”
Tim ist heute “Professioneller Amateur” #spoiler
1995 Tim arbeitete dann für ein Unternehmen (Start-Up) das von der Bercom finanziert wurde, dort gab es damals schon eine Software die wie Google Earth eine Karte mit Straßen etc. in Echtzeit anzeigte. #spoiler
Silicon Graphics <http://de.wikipedia.org/wiki/Silicon_Graphics> #wikilink
Glasfaser <http://de.wikipedia.org/wiki/Glasfaser#Nutzung_als_Lichtleiter> #wikilink
Technokultur, Partys, niemand kannte das, damals um 1992
“Der Mainstream ist Techno” #zitat
Tim weiss jetzt noch den Tag, da er das erstemal eine Werbung hörte, die mit Technomusik war. #spoiler
Die Technokultur war extrem Hippiemässig, und das prägte Tim extrem, und er wollte das kombinieren mit der Technik. #spoiler
Tim verfiel dann mehr in die Rolle eines Systemadministrators. #spoiler
Die Hackermethode: Man hat nicht immer ein klares Bild, dessen was man will, aber man beschäftigt sich eben erstmal damit, was einen gerufen hat, bis man es verstanden hat.
Die 90er Jahre in Berlin waren der totale Wahnsinn.
Tim fühlte sich schon immer sehr hingezogen zu den Wahnsinnigen und Irren. #spoiler

01:00:00 CCC #chapter
Des Clubs ehernes Gesetz: “Wer macht hat Recht”
Wer nur redet, und nicht tut, labert nur #spoiler
Chaos Communication Congress <http://events.ccc.de/>
Veranstaltungen sind eine irre Herausforderungen, man muss viel Talent aufbringen um alles zu organisieren. #spoiler
Eine gelungene Veranstaltungen ist eine, bei der die Besucher weggehen und vom nächsten mal reden. #spoiler
1996-97 wurde Hacker und Internet cool, und die ganzen Kiddies wollten rein
1998 Congress im Haus am Kölnischen Park, mit 2300 Leuten
Eigentlich wollte Tim das Camp machen. #spoiler
Bei der Planung eines Hackerkongress müssen alle alle Aufgaben übernehmen können, alle sind extrem engagiert. #spoiler
Die Planung des Camps involviert das Aussuchen einer Location, das planen der Location (Anfahren/Abfahren/Parkplätze), Kalkulation, Staff, Zelte, Infrastruktur, Sanitäre Anlagen, Strom.
Das bedeutete unter anderem, dass Dieselgeneratoren aufgestellt werden mussten, Feld gemäht, paar Kilometer Glasfaser in die Pferdewiese verbuddelt werden mussten für Internet. #spoiler
Datenklo <http://de.wikipedia.org/wiki/Datenklo> #wikilink
von 1998 bis 2005 organisierte Tim den Congress und das Camp #spoiler
Chaosradio, November 1995 <http://chaosradio.ccc.de/> #podcast

01:08:40 Podcasts #chapter
Tim erklärte extrem gerne Sachverhalte – “lernen und lehren” sind sein Ding #spoiler
Er hat viel Gas gegeben beim Chaosradio, und dann auch mit dem Fritz Moderator Frank Rosengart die Sendung geplant. #spoiler
– Frank Rosengart <http://www.rosengart.de/> #wikilink
Holger Klein hat Begriffen was sein Ding ist, und was nicht sein Ding ist “Er hat die Sendung moderiert, und wir haben die Inhalte moderiert” #spoiler
Johny Häusler <http://de.wikipedia.org/wiki/Johnny_Haeusler> #wikilink
UKW <http://de.wikipedia.org/wiki/Ultrakurzwelle> #wikilink
“Publisher Hype” in 2004, 2005, 2006
– Blogger <http://de.wikipedia.org/wiki/Blog> #wikilink
– RSS <http://www.rssboard.org/>
– Podcasting (dank RSS-enclosure) <http://en.wikipedia.org/wiki/RSS_enclosure> #wikilink
Im Herbst 2006 kam iTunes für Podcasts, einen Monat später gab es das Chaosradio als Podcast.
Dann fing Tim an mit dem Chaos Radio Express (CRE) <http://cre.fm> #podcast
Interhemd
Bundespost die zur Telekom wurde
– Tanzende Buchstabenaktion, adbusting durch interhemd mit “kapuTt”, “nullTarif”
CCC Magazin Datenschleuder <http://ds.ccc.de/>
Der CCC hat eine Gmbh zur Camp und Congress Organisation
– Tim war eher aus Not deren Geschäftsführer, das lag ihm nicht so
Tim hörte auf mit der Veranstaltungsorganisation, weil er sich immer nur im Kreis drehte.
Nach CRE experimenten war Tim klar, dass er noch mehr davon machen will.
Er machte dann Babypause. #spoiler
Er schlug vor, dass man ihm spenden solle, sodass er sich eine Bahncard 100 kaufen könne, um mehr CRE produzieren zu können. #spoiler
Die Spendenaktion schlug ein wie eine Bombe, damals hatte er eine Hörerschaft von ca. 8000 – 10000, per klassicher Überweisung. #spoiler
Nach zwei bis drei Wochen war das Geld zusammen, es war am Ende sogar übeschüssig, das konnte er in den Ausbau seines Metaebene Studios stecken. #spoiler
Metaebene Persona Media <http://metaebene.me/>
Momentan ist CRE in Premiummodus, das heisst, Tim achtet mehr auf Qualität denn Quantität.
Der zweite Podcast war Mobile Macs, welches zuvor ein finanzierter (Text-)Blog von O2 war <http://mobilemacs.de/> #podcast
Dann kam der erste Auftragspodcast: Die Gesellschafter. <http://metaebene.me/diegesellschafter/> #podcast
FSCKlog
2009 kam “Sacknase” Holgi zu NSFW dazu <http://not-safe-for-work.de/> #podcast
“Holgi ist ein Profi […] der ist einfach on” #zitat

01:33:40 Sendungsvorbereitungen #chapter
Tim ist bei jedem Podcast anders.
Bei Mobile Macs gibt es manchmal ein paar Notizen
Bei NSFW sammelt Tim vorher Material
Holgi kommt zu NSFW unvorbereitet. #spoiler
Die Schwäche bei den etablierten Interviewformaten ist, dass diese vorbereitet werden, und dann eher als Stichwortgabe geführt werden.
“Wenn ein Gast kommt und sich drei Seiten Bullet-Points hinlegt, dann wird das eine scheiss Sendung” #zitat
Tims learning-by-doing Ansatz zur Interviewführung ist, dass er dumm fragt. Er lernt etwas, und andere hören zu.

01:39:00 Raumzeit-Podcast <http://raumzeit-podcast.de> #podcast #chapter
Über Andreas Schepers kam der Kontakt Zustande.
Ziel ist es, die Öffentlichkeit über die Bedeutung der Raumfahrt aufzuklären.
Raumfahrt ist irre Emotional, die Leute die dort arbeiten, lieben das.
“To boldly go, to where no man has gone before” #zitat #spoiler
Es ist Tim ein Privileg, eine Hörerschaft zu haben, die bereit sind zu lernen, die bereit sind ihre Meinung zu ändern.
In der Schwerelosigkeit wird einem erst klar, wie sehr man an Gravitation hängt, das fängt schon an beim Parabelflug.
Beim Hochfliegen des Flugzeugs wird der Gleichgewichtsinn ausser Gefecht gesetzt mit 1,8 G.
Wenn man dann den Kopf bewegt, und sich umschaut, sehen die Augen, dass sich alles bewegt, da denkt das Gehirn, dass man vergiftet ist, und will kotzen.
Man fliegt ohne Gravitation einfach erstmal geradeaus, auch wenn man rumzappelt, wenn man sich nicht abstossen kann, bewegt man sich einfach weiter.
Tim wurde nicht übel, er hielt sich akribisch an die Anweisungen, er bekam auch eine Spritze, damit die Reaktionen nicht so stark werden sollten.

01:50:00 Podcast herangehensweise #chapter
Tim hat nur Lieblingspodcastprojekte.
Wöchentliche Podcasts:
– Logbuch Netzpolitik <http://logbuch-netzpolitik.de/> #podcast
– Newz of the World <http://newz-of-the-world.com/> #podcast
Zweiwöchentliche Podcasts:
– NSFW <http://not-safe-for-work.de/> #podcast
– Mobile Macs <http://mobilemacs.de/> #podcast
Unregelmäßige Podcasts
– Der Lautsprecher <http://der-lautsprecher.de/> #podcast
– Kolophon <http://community.oreilly.de/blog/kolophon-der-podcast/> #podcast
Bei NSFW schaut sich Tim vorher das Material an, nur die ersten 10-15 Minuten müssen vorbereitet sein, der Rest ergibt sich. #spoiler
Essen vorher ist ein wichtiges Ritual.
Das nervigste ist, dass man die Sendung veröffentlichen muss.
Podlove <http://podlove.org>
Die Ursprungsmotivation war, dass die Software Dreck ist.
Podlove Podcast Publisher <http://podlove.org/podlove-podcast-publisher/>
Podlove Web Player <http://podlove.org/podlove-web-player/>
Tim will das Podlove Projekt “As soon as possible” (fertig) haben.
Open-Source <http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Source> #wikilink
Shownotes <http://shownot.es/>
Podcacription <http://podcascription.de/>
Tim hätte gerne ein Radio OS, einen Podlove-Kernel.
Man kann ja gar nicht alles wissen, sehr viele der Hörerschafft wissen es teilweise auch besser. #spoiler
Podcasts bestehen aus einer Mischung, einer Pyramide aus Unterhaltung, Wissen und Meinung.
Mobile Macs Intros von Daniel. <http://soundcloud.com/david1701>
“Es hat sich seit 1995 technisch nicht viel getan, deswegen habe ich jetzt Podlove gestartet” #zitat
Podlove soll auch Cliententwickler integrieren, damit das ganze am Ende funktioniert. #spoiler
Arbeit der Arbeit willen war nie Tims Ding, er macht es vor allem auch weil es Spass macht.
Das normale (UKW) Radio ist nicht inovativ, da bewegt sich nix. #spoiler
Podcasts sind innovativ.
Ziel ist es, dass Podcasts dann als archiviertes Artifakt erscheinen.
Man will recherchieren können in Detaillierten Sendungsdaten. #spoiler
“Das Poblem ist, man findet alles sehr leicht, aber man findet es nicht wieder” #zitat #spoiler
Tims Vorstellung ist, dass zu den Sendungsaufnahmen Transkriptionen dazukommen, mit Differenzierung der Sprecher, genauen Zeitmarken und Verlinkung von Fachbegriffen. #spoiler
Es sollen auch alle der Community zu den Sendungsnotizen beitragen können, bspw. mit Pull-Request. #spoiler
Es entsteht eine neue Öffentlichkeit mit den Podcasts.
Tims Vision ist, dass die Hörer eines Podcasts zu den Shownotes githubartig direkt im Player beitragen könnten. #spoiler
Wenn man den Reiz hat, Podcasts zu machen, sollte man
– 1. einen Fokus haben,
– 2. Sich nicht der Illusion hingeben, dass die Audioqualität keine Rolle spielen würde,
– 3. Sendebewusstsein haben.
Tim ruft auf ein ordentliches PHP Webinterface für Shownotes zu bauen
Astros Prittorrent unter Bitlove <http://bitlove.org/>
Auphonic <https://auphonic.com/>
Georg Holzmann, der Auphonic losgetreten hat, im Lautsprecher <http://der-lautsprecher.de/ls007/> #podcast
Tim sind keine Nachteile des Podcaster Berufes bekannt, ausser den eben genanntenn, dass noch zu wenig gute Software existiert, um die repetitiven Probleme zu lösen. #spoiler
Daniel findet, viel zu viele machen Dinge, die sie nicht machen wollen.

02:24:00 Warum kann Tim das machen, was er tut? #chapter
Tim versteht das als Beschränkung, er kann nur jene Dinge gut machen, die er toll findet.
Tim hat das Environment, dass er braucht, alles was noch gemacht werden muss ist Software.
Hoaxilla <http://www.hoaxilla.de/> #podcast
Tim ist bei drei Projekte besonders zufrieden damit, diese gemacht zu haben:
– Die Villa war bleeding edge, super, und einfach irre.
– Veranstaltungsorganisation
– Blinkenlights <http://blinkenlights.net/>

02:29:38 Sendungsende: 14:00:29 Uhr